Ein außergewöhnliches, ja spektakuläres Bauwerk stellte der französische Architekt Jean de Gastines am 26. März, im Rahmen der Zukunftskonferenz des holzclusters steiermark vor: das Centre Pompidou Metz, das er gemeinsam mit seinem japanischen Kollegen Shigeru Ban entworfen hat.
Das Museum für moderne und Gegenwartskunst sollte eigentlich eine „Antenne“ des 1977 eröffneten Centre Pompidou Paris werden, ist aber dabei, sich zu einer eigenständigen kulturellen Attraktion zu entwickeln. Die Regionalisierung der Kultur und die Errichtung der TGV-Ost-Linie brachten neue Funktionen in das einstige lothringische Kohle- und Stahlrevier.
Der Museumsentwurf ist das Ergebnis eines Wettbewerbes im Jahr 2003. Ziemlich nahe am neuen TGV-Bahnhof, im Viertel Amphithéâtre, dort, wo früher das römische Theater stand, wurde ein weitläufiges Grundstück mit Parks und Gärten gewidmet, in das die Architekten einen mehrgliedrigen Bau mit 6-eckigem Grundriss platzierten.
Drei übereinander liegende, um 45° zu einander verdrehte, lang gestreckte Boxen sind als Galerien gedacht. Sie sind an beiden Seiten offen und bieten gerahmte Ausblicke auf die Kathedrale von Metz, auf den historischen Bahnhof aus deutscher Zeit (errichtet 1905-1908) und auf den neuen TGV-Bahnhof. Unter der Galerie 1 befindet sich der Besucherzugang, der in das Forum führt. Dieser Gebäudeteil ist mit Fassadenelementen versehen, die so eingezogen werden können, dass sich der Freiraum, konkret der große Vorplatz, in den Innenraum hinein fortsetzen kann. Das Forum beherbergt ein Ressourcenzentrum, die Kassa und die Garderobe. Im Uhrzeigersinn daran schließt sich das Große Schiff mit einer Höhe bis zu 21 m an, in dem Kunstwerke ausgestellt werden können, die für das Centre Pompidou Paris zu groß sind.
Das nächste Element ist das Studio, eine zweigeschoßige kreisrunde Scheibe mit Bar und einem Raum für Liveaufführungen im Erdgeschoß, sowie einem Restaurant im ersten Stock, samt Terrasse im Freien. Hinter dem Studio liegt das so genannte Auditorium mit stufenförmigen Sitzplätzen. Das Technik- und Logistikgebäude mit der Lieferantenzufahrt schließt sich „hinten“ an die Ausstellungsflächen an; die aus dem Gebäude herausgeführten Röhren sind eine Reminiszenz an das CP Paris.
Die Erschließung erfolgt über einen zentralen sechseckigen verglasten Turm mit Lift und Stiegenhaus, an dem das Dach und die drei das Dach durchdringenden Galerien abgehängt sind. Samt der in die Luft ragenden Antenne misst der Turm 77 Meter – noch eine Anspielung auf das CP Paris, das 1977 eröffnet wurde.
Über diese verschiedenen Funktionen haben die Architekten ein sensationelles Dach gelegt: das Fachwerk aus Holz besteht aus 1600 Teilen, die zu Hexagonen zusammengeleimt und verschraubt wurden. Die Architekten ließen sich dabei von einem aus Bambus geflochtenen chinesischen Hut inspirieren. Das „Dachgeflecht“ besteht aus Fichtenholz, hauptsächlich aus Österreich, die 4 „Tulpenstützen“ sind aus Lärche und die 3000 Knoten aus Buche. Insgesamt wurden 800 m³ Holz verarbeitet! Die Dachhaut darüber besteht aus Glasfaser und Teflon, die 32 Paneele sind miteinander verschweißt. Das Material ist lichtdurchlässig, das Innere sehr hell und luftig, und in der Nacht, wenn das Gebäude innen erleuchtet ist, zeichnet sich das Fachwerk gut unter der Dachhaut ab.
Die Vermittlung zwischen Innen und Außen, Niederschwelligkeit, Zugänglichkeit und nicht zuletzt die Vermittlung zwischen verschiedenen Kulturen waren die Vorgaben der Architekten, die der in zwei Jahren errichtete Bau mühelos erfüllen wird.
Eröffnet wird mit einem Festprogramm vom 12. bis 16. Mai 2010. Der Eintritt ist frei, Höhepunkt ist Samstag, der 15. Mai, der nahtlos in die französische Nacht der Museen übergehen wird, und die wiederum dauert bis Sonntag.