Es war still geworden um die Initiative HouseEurope!, die sich im vergangenen Jahr das Ziel gesetzt hatte, als erste europaweite Bürgerinitiative den Umbau zum europäischen Standard zu machen und nichts weniger als „eine gerechtere und lokalere Bauwirtschaft“ zu schaffen. Es sollte der Beginn einer grundsätzlichen Bauwende sein und der Anfang einer längeren Geschichte.
Die europäische Bürgerinitiative blieb zahlenmäßig weit hinter den Erwartungen zurück. Man hätte das Thema in die EU-Kommission bringen wollen. Statt der dafür notwendigen 1 Million Unterschriften sammelte man in den 27 beteiligten EU-Staaten insgesamt nur 82.631 Stimmen. Deutschland, Österreich, Dänemark und Luxemburg waren unter den stimmenstärksten Ländern. Gemessen an den nationalen Quoren schnitt Deutschland mit 46 Prozent der erforderlichen Schwelle am besten ab. Dass die Initiative in Deutschland gestartet wurde, erklärt diesen Umstand vermutlich.
Ihren Grundsatz „Anreize [zu] schaffen, damit die Renovierung und der Umbau bestehender Gebäude in Zukunft die Norm sind.“ kommunizierte die Initiative dennoch breit und erfolgreich. Die gelben Banner, Postkarten, Shirts und weiteren Merchandising-Produkte waren auf der Architekturbiennale ebenso präsent wie auf zahlreichen Festivals.
Die eigentliche und nachhaltige Wirkung war allerdings auf lokaler Ebene zu finden. Bis 2025 gab es unzählige regionale Einzelgruppen, die sich mit dem Thema einer möglichen Bauwende und den Auswüchsen eines spekulationsgetriebenen Bauwesens auseinandersetzten. HouseEurope! gab all diesen Gruppen ein gemeinsames Dach und öffnete durch lokale Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen zusätzliche Diskursräume. Damit entstanden Netzwerke, die vorher in der Form nicht existierten. Gerade deshalb bleibt HouseEurope! ein bemerkenswertes europaweites Vorbild: Obwohl die Initiative quantitativ scheiterte, dürfte sie qualitative Maßstäbe für künftige europäische Initiativen gesetzt haben. Denn was wäre falsch an den progressiven Forderungen, Wohnraum wieder allen zugänglich zu machen und nicht als profitable Masse einzelnen Protagonisten zur Kapitalmaximierung zu überlassen?
Wesentlicher Aspekt solcher Initiativen ist deren Finanzierung. HouseEurope! firmiert als GmbH in Berlin Charlottenburg. Sie beschreibt sich selbst als „non-profit limited liability company“ und legt auf der Petitionsseite ihre Sponsoren offen. Ende 2025 konnte die GAT Redaktion auf einer der Veranstaltungen der Initiative mit einem Mitglied über die Herausforderungen des Projekts sprechen. Man muss beispielsweise ausreichend finanzielle Eigenmittel für das Einbringen bei der EU-Kommission nachweisen. Dass sich darunter vor allem Universitäten und Stiftungen finden, überrascht kaum, da mehrere Initiatorinnen und Initiatoren aus dem akademischen Umfeld stammen – etwa Olaf Grawert von der ETH Zürich. Die genannten Gelder seien daher eher als Ausdruck des Engagements der Unterstützer zu verstehen und dienten weniger der Finanzierung von Kampagnen oder Veranstaltungen.
Nachdem Ende Januar die Petition ausgelaufen war, formiert man sich unter einer neuen und präziseren Agenda: „It does not have to be this way. The buildings exist, just like the solutions to make them accessible, livable and affordable”, schreibt die Initative auf ihrer Homepage nach wie vor. „What is missing are the rules to fix it: convert vacancy, boost renovation, keep people in their homes, stop speculation, guarantee long-term affordability, invest sustainably – and an EU Housing Agency to coordinate it all.”
Mit neuem Slogan geht man 2026 in eine neue Runde: „Housing has become a luxury. We demand it as a right!“ Und auch diesmal gilt es 1 Million Stimmen einzusammeln, denn dann müsste sich die EU-Kommission offiziell mit der Initiative befassen und Stellung beziehen. Ab September beginnt erneut die Sammlung von Unterschriften. Ob die Initiative ihr Ziel diesmal erreicht, bleibt offen. Dass sie die Debatte über Umbau und das Recht auf Wohnen europaweit aufzieht, lässt sich jedoch schon heute als ihr größter Erfolg beschreiben.