09/03/2026

Das TEAM A war eines der legendären Grazer Architekturbüros, die zu Beginn der 1970er Jahre erste Projekte umsetzten. Am 18.2.2026 ist sein letztes Mitglied, Herbert Missoni, verstorben.

09/03/2026

Rückseite des Ausstellungskatalogs TEAM A Graz, 1971, Verlag FORUM STADTPARK, Foto des Ausstellungskatalogs: Claudia Gerhäusser

Besonders Schulen zählen zu den österreichweit realisierten Projekten des TEAM A Graz. Neubauten und Revitalisierungen stehen auf dessen Werkliste. In frühen Jahren widmete man sich auch raumkünstlerischen Projekten, Messeständen und Ausstellungsbeiträgen.

Herbert Missoni, geboren 1938, machte 1965 an der TU Graz sein Diplom. Direkt im Anschluss daran arbeitete er ebendort 1965–1971 als Assistent bei Prof. K. A. Bieber an der Lehrkanzel für Raumkunst, einem Vorläufer des heutigen Instituts für Raum und Gestalt. In diese Zeit fiel für ihn auch ein Forschungsstipendium des British Council mit Aufenthalt in England, mit dem er sich dem Thema Schulbau intensiv widmen konnte.

Als Ortsbildsachverständiger in Bad Radkersburg, Eibiswald, Lieboch, Lienz und Wies blieb er in den weiteren Jahren seiner Praxis der Region um Graz verbunden, agierte als Mitglied des Gestaltungsbeirats für den Thermenbereich in Bad Radkersburg und Radkersburg-Umgebung. Später wurde er auch in den Gestaltungsbeirat der Stadt Wels in Oberösterreich berufen.

Frühe Projekte

„Die heimische Architekturlandschaft ist ohne seine Beiträge schwer vorstellbar, fast ein halbes Jahrhundert lieferte es wesentliche Entwürfe für verschiedenste Bereiche: das Team A Graz", so Walter Titz 2016 auf gat.news. Jeder im TEAM A Graz prägte als Architekt sowohl die Baupraxis in der Region, als Universitätsassistent die Lehre an der TU Graz, als auch die Szene, die sich ab 1965 um das FORUM STADTPARK bildete. Künstler und Architekten befassten sich Anfang der Siebziger mit den Potenzialen von Element und System, führten parallel die Auseinandersetzung mit Themen wie Modul, Wiederholung und Variation. Das Referat „Architektur (und Technik)“ am Forum Stadtpark bestand aus Architekten, die fast ausnahmslos an der Technischen Hochschule in Graz als Assistenten angestellt waren. Der Lehrstuhl für Raumkunst und der Lehrstuhl für Städtebau waren stark vertreten. Drei aktive Büros aus zwei Generationen – Werkgruppe, Domenig/Huth, TEAM A – bildeten Anfang 1970 eines der damals neun Referate. [1] 1971 zeigte dann die Ausstellung TEAM A GRAZ zum ersten Mal sämtliche bis dahin entstandenen Projekte der Architekten und etablierte die Gruppe als Architekturbüro.

Trigon und die schiefe Ebene

Der Wettbewerbsbeitrag „urbanes spinalsystem“ des TEAM A von Franz Cziharz, Helmut Satzinger und Missoni für den trigon-Wettbewerb „Architektur und Freiheit“ 1969, führte zu einem Ankauf. Trigon 1969 fiel allen voran durch seinen Ansatz auf, „Architektur als gesellschaftsveränderndes Moment zu begreifen“, so verzeichnet es das Archiv des steirischen herbst. [2] 
Man nahm damit Bezug auf die Studentenproteste von 1968 und einen gesellschaftlichen Aufbruch in ganz Europa. Die Ausstellung mit Entwürfen der italienischen Architekten von Superstudio, der österreichischen Architekt:innen Coop Himmelb(l)au und Angela Hareiter und konzeptuellen Arbeiten von Hans Hollein war klar der utopischen Architektur der späten Sechzigerjahre verschrieben. Ihre Ausstellungsarchitektur, eine durch das Künstlerhaus gebaute schiefe grüne Ebene, entstand unter Mitarbeit von Herber Missoni. [3] [4] [5]

Erste Schulbauten

Zwei Jahre später verfasste TEAM A GRAZ die „Forderungen zum Schulbau“. Darin wird beispielsweise „Kosteneinsparung durch Vermeidung unnötiger Verkehrsflächen, durch Planungs- und Baurationalisierung, durch Anwendung neuer Baumethoden wie Fertigbau, Elementbau, Bausysteme“ gefordert. Diese Leitsätze begleiteten jeden der späteren Schulbauten der Architekten. Martin Grabner schrieb auf gat.news über die innovativen Schulbaukonzepte des TEAM A in seinem Artikel Nach 40 Jahren immer noch der Zeit voraus: „Herbert Missoni etwa analysierte die pädagogische und räumliche Struktur des damals weit fortgeschrittenen Schulsystems in Großbritannien, wo statt Frontalunterricht bereits ein vielseitiger Unterricht in flexiblen, auch jahrgangsübergreifenden Gruppen stattfand, der auch neue räumliche Strukturen erfordert: verschieden große Räume, durch entsprechende Möblierung manipulierbar und ohne zu große Umbaumaßnahmen auch längerfristig veränderbar. Die logische Umsetzung erfolgt durch die Trennung in Primär-, Sekundär- und Terziärstruktur: Tragstruktur, Innenausbau und Möblierung.“

 

TEAM A Graz: Franz Cziharz (1939–1998), Dietrich Ecker (1938–1995), Herbert Missoni (1938–2026) und Jörg Wallmüller (1934–2016) gründeten 1966 unter dem Namen Team A Graz gemeinsam ein Architekturbüro. Ende 2013 wurde das Büro durch Herbert Missoni und Jörg Wallmüller geschlossen. Auswahl wichtiger Schulbauten: BG Dreihackengasse, 1971-79, Bundesschulzentrum Feldbach, 1973-80

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