Urban Future findet seinen Ursprung im Jahr 2014 in Graz als Workshop-Format für Verantwortliche aus der Stadtverwaltung. Nach dem Start in Graz, wo das Organisationsteam bis heute seinen Sitz hat, brachten die Veranstalter*innen Urban Future unter anderem bereits nach Oslo, Łódź und Rotterdam. Über mehrere Jahre entwickelte sich die Veranstaltung zu einem viertägigen, internationalen Konferenzformat, bei dem heuer am Eröffnungstag rund 1.600 Stadtmacher:innen aus aller Welt in Ljubljana eintrafen.
Im Zentrum stand die Frage, wie Städte lebenswerter gestaltet werden können und der Austausch über das, was funktioniert und auch was nicht funktioniert. Die Konferenz soll einen offenen und unvoreingenommenen Austausch über Erfolge ebenso wie über Fehlschläge in allen Bereichen, die den urbanen Raum betreffen, ermöglichen.
Erstaunlich bei Urban Future ist die breite Zusammensetzung der Teilnehmenden. Hier treffen sich Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, NGOs, Wirtschaft, Forschung und Studierende auf Augenhöhe. Ergänzend zu vergünstigten Tickets für Studierende gibt es mit dem Young Leaders Programme ein Angebot für Teilnehmende unter 30 Jahren, das den Austausch mit Expert:innen in exklusiven Formaten ermöglicht.
Teilnehmende werden im Kontext der Konferenz als „Urban Unicorns“ bezeichnet: Zielstrebigkeit, Mut und das Interesse an einem besseren Morgen zeichnen laut Gründer und CEO Gerald Babel-Sutter diese, ebenso wie Einhörner mystischen, Stadtmacher:innen aus. Ein wiederkehrendes Motiv formulierte Babel-Sutter beim Eröffnungsakt der Konferenz mit dem Leitsatz: „Don’t let others tell you what you cannot do.“
Formate und Atmosphäre
Urban Future versteht sich nicht nur als klassische Konferenz, sondern als Plattform für Austausch und Vernetzung. Neben Panels und Workshops prägen auch informelle Formate das Geschehen: Networking bei Kaffee und Snacks, thematische Exkursionen (Field Trips) zu lokalen Projekten sowie gemeinschaftliche Veranstaltungen wie ein internationales Pub Quiz.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die „Cities F*ck-up Show“, in der Akteur:innen gescheiterte Projekte präsentierten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse teilten. Das Format unterstreicht den Anspruch der Konferenz, auch Misserfolge produktiv zu reflektieren und sich dem Dialog zu stellen.
Ausgewählte Panels, Themen und Diskussionen
Tourismus und Stadtverträglichkeit
Im Rahmen des Panels „Tourists go home. How to distribute tourists instead“ wurde die Rolle des Tourismus kritisch diskutiert. Ein zentrales Statement lautete: Eine Stadt kann nur dann „gut” für Besucher:innen sein, wenn sie für ihre Bewohner:innen funktioniert. Als mögliche Strategien wurden räumliche Verteilung von Besucherströmen sowie gezieltes Placemaking genannt, etwa anhand von Beispielen aus Wien und Ljubljana.
Aus dem Publikum wurde zudem die grundsätzliche Frage gestellt, ob Tourismus weiter wachsen muss. Vor allem in urbanen Räumen wächst Unmut darüber, dass der Tourismus nur einigen wenigen ökonomischen Nutzen bringt, statt einen positiven Beitrag für die Stadt oder Region zu leisten.
Polyzentrische Stadtstrukturen
Das Panel „Building Cities of Many Centres. How to build strong and connected centers and neighbourhoods“ thematisierte die Herausforderung, insbesondere in kleinen und mittelgroßen Städten lebendige Zentren zu erhalten. Dazu berichteten Stimmen aus Riga, Vilnius, Madrid und Gorizia/Nova Gorica.
Ziel sollte laut dem Panel die Entwicklung vernetzter, gleichwertiger Stadtteile sein, um die Konzentration von Funktionen an bestimmten Stellen der Stadt zu vermeiden, die lange Wege für Bewohner:innen verursachen kann. Diskutierte Lösungsansätze für Attraktivierung von Städten umfassten beispielsweise Förderung von hoher architektonischer Qualität, leistungsfähige urbane Infrastruktur, leistbaren und attraktiven Wohnraum sowie vielfältige Mobilitätsangebote.
Die Stadt Riga setzt aktuell ihre Strategie für die Schaffung von neuem Wohnraum auf leerstehende Gebäude in der Altstadt. Diese Gebäude werden durch die Stadtverwaltung revitalisiert und zu gefördertem Wohnbau umfunktioniert.
Ein weiteres herausragendes Beispiel bot die Stadt Nova Gorica. Hier ist im städtischen Bebauungsplan verankert, dass jedes neu gebaute Mehrparteienhaus auf eigenem Grund öffentlich zugängliche Grünflächen schaffen muss und der Eigentümer für die Erhaltung und Pflege dieser verantwortlich ist.
Geschlechtergerechte Stadt
Im Panel „Women changing cities. When Women lead, cities thrive“ herrschte Konsens darüber, dass sich an Orten, wo sich Frauen wohlfühlen, alle wohlfühlen und sich gerne aufhalten. Daher lautete mehrmals der Aufruf des Panels, Städte bewusst geschlechterinklusiv zu gestalten. Nourhan Bassam von The Gendered City brachte die These in die Diskussion, dass Städte nicht geschlechtsneutral, sondern Ausdruck bestehender gesellschaftlicher Machtverhältnisse sind.
Lernen von Ljubljana
Eine Gelegenheit, die gastgebende Stadt kennenzulernen und konkrete Projekte in der Stadt zu diskutieren, boten die Field Trips am Dienstag und Freitag. Ljubljana gilt international als Pionierstadt, insbesondere seit der motorisierte Verkehr weitgehend aus der Altstadt verbannt und am Fluss Ljubljanica dem Fuß- und Radverkehr Vorrang eingeräumt wurde.
Die Exkursionen besuchten unter anderem die Baustelle der Hauptbahnhofserweiterung und das Kunst- und Kulturzentrum Rog. Weiters zeigten geführte Fahrradtouren gelungene und weniger gute Projekte der Fahrradinfrastruktur, deren Qualitäten und Defizite vor Ort diskutiert wurden.
Darüber hinaus boten mehrere thematische Stadtführungen Einblicke in die historische und zeitgenössische Architektur sowie in die unterschiedlichen Stadtteile Ljubljanas.
Am Ende der Konferenz wurde von Gerald Babel-Sutter und dem Urban Future Team der Austragungsort der nächsten Ausgabe verkündet: Im April 2027 findet Urban Future zum ersten Mal außerhalb Europas in Istanbul statt. Mit Istanbul rückt eine Stadt in den Fokus, die auf zwei Kontinenten liegt und mit ihrer Größe, Vielfalt und Komplexität, laut Urban Future, einen passenden Rahmen für Debatten über Mobilität, Resilienz, öffentlichen Raum und sozialen Zusammenhalt bietet.