29/06/2026

Am Vormittag des 26. Juni 2026 wurde Architekt Eugen Gross im Festsaal der Technischen Universität Graz der Titel Doktor der technischen Wissenschaften verliehen. Damit ist der 93-Jährige nun der älteste Promovend der Universität und Architekturfakultät, mutmaßlich wohl sogar ganz Österreichs. 

29/06/2026

Rektor Horst Bischof, Promovend Eugen Gross, Vizerektor für Lehre Stefan Vorbach und betreuender Professor Anselm Wagner bei der Promotionszeremonie

©: Redaktion GAT/ Mändl

In jenen Räumen der TU nahm seine akademische Laufbahn auch ihren Anfang: Eugen Gross, 1933 in Bielitz – damals Ostschlesien – geboren, begann hier 1952 sein Architekturstudium und graduierte sechs Jahre später als Diplom-Ingenieur. Zwischen den beiden Studienabschlüssen liegt eine bewegte und erfolgreiche architektonische Karriere, zunächst als Teil der Werkgruppe Graz (1958–89) rund um Friedrich Groß-Rannsbach, Werner Hollomey, Hermann Pichler, Walter Laggner und Peter Trummer, später in Selbstständigkeit. Deren Werkbuch ist online einsehbar und demonstriert, dass die Auseinandersetzung mit der Architektur für ihre Protagonisten auch stets theoretischer Natur war. Zu den bekanntesten Grazer Bauwerken der Gruppe zählen neben der Adaption des Forum Stadtpark (1959–60) die Studentenhäuser am Hafnerriegel und in der Leechgasse (je 1963), sowie die international renommierte Terrassenhaussiedlung (1965–78) in St. Peter.

Mit diesem Meilenstein der österreichischen Architekturgeschichte beschäftigt sich Gross unter anderem in seiner Dissertation mit dem Titel Archaea Urbana – Die städtebauliche Utopie als virtuelle Stadtgründung, dargestellt an der Wechselwirkung von Insel und Struktur. Die von Prof. Dr. Anselm Wagner am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften betreute Arbeit nähert sich der städtebaulichen Utopie als Beschreibung und als Analyse eines aus Bedingungen hervorgehenden Gestaltungsprozesses. Gross charakterisiert die Archaea Urbana und entwickelt dafür ein Untersuchungsmodell – das Prinzip der doppelten Umkehr – und wendet es auf die Terrassenhaussiedlung Graz–St. Peter, kontrastiert mit weiteren österreichischen Utopieprojekten des 20. Jahrhunderts, an. Er kommt zu der Conclusio, dass Stadt und Architektur phänomenologisch nie mit der Erstellung abgeschlossen sind, sondern sich in der Wahrnehmung und Nutzung vollenden, wobei die reale Stadt im Urbild verankert bleibt. So wird in seinen Worten „als Wiederspiegelung verstanden, der „Mensch“ zum „Bau“ und der „Bau“ zum „Menschen“, indem – in Mythen vorweggenommen – ein „Urbild“ von Welt verwirklicht wird, das als Zeugnis kultureller architektonischer Tradition die Zeiten überdauert.“ Die Dissertation ist im digitalen Repositorium der TU-Graz abrufbar. Dr. Gross arbeitet nun daran, die Doktorarbeit in einer editierten Version alsbald in Buchform zu veröffentlichen. 

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