Dementsprechend feierlich gestaltete sich bereits der Eröffnungstag am 12. Dezember 2025. Die Strecke wurde am Freitagvormittag in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker sowie zahlreicher weiterer Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eröffnet.
Für Interessierte, die weder in Graz noch in Klagenfurt anwesend sein konnten, wurde eine Liveübertragung der Eröffnungsakte zur Verfügung gestellt. Auch die erste Fahrt, die die genannten politischen Vertreter:innen und viele andere aus Graz nach Klagenfurt beförderte, wurde gestreamt.
Am Nachmittag sorgten Konzerte, gastronomische Angebote und Infostände für euphorische Hochstimmung in beiden Städten. Um ein möglichst breites Publikum auf beiden Seiten der Strecke in Feierlaune zu versetzen, traten Künstler:innen aus verschiedenen Genres bis spät am Abend sowohl in Graz als auch in Klagenfurt auf. Ausgelassen feierte man auf den jeweiligen Bahnhofsvorplätzen.
Eindrücke der ersten FAHRTEN
Nach den Eröffnungsreden am Grazer Hauptbahnhof und der Taufe einer Railjet-Garnitur auf den Namen „Koralmjet“ fuhren die politischen Ehrengäste mit der soeben getauften Garnitur Richtung Klagenfurt Hauptbahnhof. Die feierliche Ankunft des Zuges dort signalisierte den Startschuss für den Festakt auch an diesem Streckenpunkt.
Stündlich fuhren ab dann Railjets zwischen Graz und Klagenfurt und ermöglichten es, bereits vor offiziellem Fahrplanstart die Strecke zu erleben. Die Plätze für diese kostenfreien Sonderfahrten am Eröffnungstag waren im November bereits innerhalb kurzer Zeit vergriffen.
Am frühen Nachmittag kam es aufgrund einer bislang nicht näher geklärten Rauchentwicklung im Koralmtunnel, dem 33 km langen Herzstück der neuen Strecke, zu einem kurzen Betriebsstillstand. Trotz dieses Störfalls absolvierte man alle weiteren Fahrten bis zur letzten Abfahrt um 21:30 Uhr reibungslos.
Der Autor selbst fuhr mit dieser letzten Verbindung des Tages von Klagenfurt nach Graz. Um einen sicheren und zügigen Ablauf der Premierenfahrten zu gewährleisten, mussten Reisende mit ihren im Voraus gebuchten Tickets am Bahnsteig einchecken. Auch wurden Passagier:innen schon bei der Buchung automatisch einem Zugwagen zugewiesen.
Pünktlich setzte sich der Zug in Bewegung und beschleunigte bereits am Rande des Klagenfurter Stadtgebiets auf beinahe 200 km/h, später erreichte er Geschwindigkeiten von bis zu 235 km/h. Die Neugier der Passagier:innen war groß, ebenso war die Begeisterung spürbar – sowohl unter den Bahn-Aficionados als auch bei jenen, die heute möglicherweise erst nach längerer Zeit für das Zugfahren begeistert werden konnten.
Leider war es zu dem Zeitpunkt bereits dunkel und die Fahrt wäre mit Blick auf die Landschaft wohl noch eindrucksvoller gewesen. Aber auch ohne Aussicht war es kaum zu glauben: Exklusive einer zweiminütigen Verspätung, fuhr der Zug vom Klagenfurter zum Grazer Hauptbahnhof in 41 Minuten.
Neue und verbesserte Verbindungen
Mit „Österreich war noch nie so nah“ wirbt die ÖBB seit einigen Wochen im Raum Kärnten und Steiermark. Ein Blick auf den am 14. Dezember in Kraft getretenen Fahrplan zeigt, dass trotz der historisch strittigen Botschaft, sich für die beiden südlichen Regionen die Fahrtzeiten und Intervalle auf vielen Strecken deutlich verbessern.
Aus Graz ist es beispielsweise schneller, nach Salzburg über Kärnten zu fahren als über die bisher übliche Strecke durch das Ennstal. Die Fahrtzeit verkürzt sich zwar nur um wenige Minuten, dafür werden aber die Intervalle deutlich erhöht. Dementsprechend dichter sind auch die Verbindungen aus Klagenfurt und Villach nach Salzburg und weiter nach Deutschland.
Die Fahrtzeit von Wien nach Klagenfurt und Villach verkürzt sich durch die neue Strecke um 40 Minuten. Noch schneller wird es ab 2030, als voraussichtlich der Semmering-Basistunnel in Betrieb gehen soll. Dadurch soll auch die Strecke Graz–Wien statt derzeit rund 2:35 Stunden nur noch 1:55 Stunden dauern.
Neu sind aus Graz direkte Zugverbindungen nach Venedig (zweimal täglich). Die bereits bestehende Verbindung nach Triest wird durch die Führung über Kärnten deutlich kürzer. Klagenfurt und Villach erhalten wiederum bis zu neun tägliche Direktverbindungen nach Prag, und der Nachtzug Graz–Zürich führt ab sofort ebenfalls durch Kärnten. Graz und Maribor rücken durch die Einführung der Zuggattung Interregio mit einer stündlichen Verbindung näher zusammen – ebenso Villach und Ljubljana mit einer Verbindung im Zwei-Stunden-Takt.
Stärkung der Regionen
Aber nicht nur die Landeshauptstädte profitieren von den neuen Verbindungen. So erreicht man beispielsweise den Bahnhof Weststeiermark, am Rande von Deutschlandsberg, aus Graz HBF in 15 Minuten.
Auch die Tourismusregion rund um den Klopeiner See wird erstmals an den internationalen Schienenverkehr angebunden. Vom in der Region gelegenen Bahnhof Kühnsdorf gelangt man in 9 Minuten nach Klagenfurt mit einem Schnellzug oder in 13 Minuten mit einem Regionalzug. Von dort aus bestehen zahlreiche Fernverbindungen direkt nach Deutschland sowie mit nur einem Umstieg nach Slowenien und Italien.
Das Obere Murtal, welches bis vor Kurzem auf der Strecke Kärnten–Wien lag, erhält durch die neu eingeführten Interregio-Verbindungen eine faktische Taktverdichtung sowohl nach Kärnten als auch nach Wien. Auch wenn diese nicht mehr als Railjets geführt werden, kann man aus dem Süden kommend in Bruck an der Mur tagsüber bis zu zweimal pro Stunde auf einen Railjet nach Wien umsteigen.
Technik schreibt Geschichte
Die Machbarkeitsstudie „Süd-Ost-Spange“ stammt aus 1991, bereits 1999 begann man mit den ersten Arbeiten an der Koralmbahn. Umso beeindruckender ist es, dass knapp 26 Jahre später 130 km neue Strecke, davon 50 km allein Tunnel, freigegeben wurden.
Im Rahmen des Ausbaus der Südbahn werden Abschnitte für Geschwindigkeiten bis 250 km/h ausgestattet. Zu diesen Abschnitten zählt auch die Koralmbahn selbst.
23 Bahnhöfe wurden neu gebaut oder umgebaut; unter diesen sind der Umbau des Grazer Hauptbahnhofs oder der für die Koralmbahn eigens gebaute Bahnhof Weststeiermark sicherlich die eindrucksvollsten.
Stolz betont man bei der ÖBB, dass durch vorausschauende Planung finanzieller Puffer für mögliche Baukomplikationen und gegen die Inflation die Gesamtinvestitionssumme eingehalten werden konnte. Die erste gesamtheitliche Kostenschätzung stammt aus dem Jahre 2005 und schätzte die Kosten damals auf 5,4 Milliarden Euro. 2025 bestätigte die ÖBB eine Kostensteigerung auf 5,9 Milliarden Euro, allerdings nur, weil nachträglich Streckenteile ergänzt wurden.
Potenziale für die Wirtschaft
Für den Warenverkehr wurde die Strecke bereits Anfang November freigegeben, lediglich für den Personenverkehr wurde auf den europaweit üblichen Fahrplanwechsel am zweiten Sonntag im Dezember gewartet.
Nicht nur berufliche und touristische Wege werden schneller – auch die Wirtschaft profitiert massiv von der neuen 130 Kilometer langen Verbindung. Güterverkehr auf Schiene musste bisher zwischen Kärnten und Steiermark über Bruck an der Mur geführt werden; die neue Strecke spart viele Kilometer und ermöglicht zusätzliche Verlagerung von LKW-Verkehr auf die Eisenbahn.
Die Koralmbahn bietet zudem mehr Kapazität und höhere zulässige Zuggewichte als die Route über das Obere Murtal. Als Teil des Baltisch-Adriatischen Korridors können künftig noch mehr Güter effizienter und nachhaltiger quer durch Europa befördert werden. Mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels ergeben sich auch hier weitere Verbesserungen.
Im Personenverkehr entstehen ebenfalls bedeutende wirtschaftliche Potenziale. Neben dem Tourismus kann sich auch der Arbeitsmarkt der beiden Bundesländer über neue Impulse freuen. Die Fernverbindung Graz–Klagenfurt ist mit 41 Minuten (Railjet-Express) deutlich schneller als dieselbe Strecke mit PKW, was auch auf die Teilstrecken entlang der Koralmbahn zutrifft.
Das Potenzial innerhalb des neu geschaffenen Ballungsraumes ist also groß. Bis sich der Alltag einpendelt und die Strecke für die 1,8 Millionen in der Region lebenden Menschen zu einem selbstverständlichen Teil der Metropolregion wird, dürften mehrere neue Fahrpläne eingeführt werden. Und bereits im Jahr 2030 wartet mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels der nächste große Umbruch im inneralpinen Schienenverkehr.