01/06/2026

Die Architekturtage 2026 boten tiefere Einblicke in Planungs- und Baugeschehen. Auf einem Stadtspaziergang durch die westlichen Stadtteile von Graz gab es die Chance mehr über den Stand der Dinge zur Markthalle in Eggenberg zu erfahren. Etwa 20 Teilnehmer:innen interessierten sich dafür und fragten rege die Vertreter:innen des Stadtplanungsamts nach dem, was jetzt über den Sommer entsteht und wie sich der etablierte Marktplatz insgesamt ab Herbst verändern wird.

01/06/2026

Am Hochbauerplatz, Graz Eggenberg: Menschen informieren sich über den Neubau der alten Markthalle, Mai 2026

©: Ada Hauser

Gutachten des Bestands ergaben, dass aufgrund gravierender Bauschäden eine Sanierung nicht möglich sei. Man entschied daraufhin die Halle zu rekonstruieren und technisch zu verbessern, Mai 2026

©: Ada Hauser

Aktuelle Pläne inklusive Baumsetzungen im Schwammstadtprinzip, Mai 2026

©: Ada Hauser

Kopie der Originalpläne der Markthalle am Hofbauerplatz von 1972

©: Ada Hauser

Aufstellen der neuen Betonträger vor Ort, Mai 2026

©: Ada Hauser

Update Markthalle Eggenberg: Kräne heben die neuen Betonträger in die Fundamente, Mai 2026

©: Ada Hauser

Ein Stapel groß ausgedruckter Pläne und Visualisierungen liegt auf Markttischen im kleinen Nachbarpark des Hofbauerplatzes in Graz Eggenberg. Drumherum beugen sich an diesem Nachmittag interessierte Nachbarinnen und Nachbarn sowie Besucherinnen und Besucher der Architekturtage 2026, um sich über den Stand der Sanierung der Markthalle zu informieren. Die meisten verbinden eine persönliche Beziehung oder Erinnerung mit dem Ort. Man sei deshalb aus Neugier hergekommen und möchte wissen wie es weiter geht.

Vor Ort beantwortet DI Vladimir Strecansky vom Stadtplanungsamt die Fragen der Besucher*innen. Er begleitet das Projekt seit etwa sechs Jahren und war schon dabei, als Bestandsanalysen und Einschätzungen des baukulturellen wie architektonischen Wertes der Halle gemacht wurden. Im Gespräch wird deutlich, dass der Neubau der 1972 errichteten Halle mehr ist als eine hundertprozentige Replik. Das Bauwerk, dessen Architekt Franz Forstlechner in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag feierte, steht vor einer umfassenden technischen und funktionalen Erneuerung. Ob es zu einem Präzedenzfall für gelockerten Denkmalschutz in Zukunft herhalten muss, gab man in der Runde zu bedenken.

Dem Projekt des Neubaus vorausgegangen war eine detaillierte Untersuchung des Bestands durch die ARGE Steinrestaurierung und die Abteilung für Konservierung und Restaurierung im Bundesdenkmalamt. Dabei wurden nicht nur der Zustand und die Konstruktion analysiert, sondern auch die Möglichkeiten einer Sanierung geprüft. Ein Bewehrungsscan brachte letztlich ein unerwartetes Ergebnis: Wesentliche Bewehrungselemente waren beim ursprünglichen Bau gar nicht ausgeführt worden. Unter diesen Voraussetzungen erwies sich eine Sanierung als wirtschaftlich und technisch wenig sinnvoll. Stattdessen entschied man sich für einen Neuaufbau der Tragstruktur unter Verwendung zeitgemäßer Betontechnologien.

Die Herausforderung bestand deshalb darin, die technische Erneuerung möglichst unsichtbar zu halten. Außen wird man kaum Unterschiede zum bisherigen Erscheinungsbild erkennen. Im Inneren hingegen sind statische Verstärkungen erforderlich, die sich in geringfügigen Anpassungen der Konstruktion niederschlagen. Die charakteristische Gestalt der Halle bleibt dennoch erhalten.

Auch das Dach musste an aktuelle Anforderungen angepasst werden. Die ursprüngliche Neigung von 1,5 Prozent wurde auf 3,5 Prozent erhöht, um heutige Normen einzuhalten. Eine Dachbegrünung wurde geprüft, erwies sich aufgrund des zusätzlichen Eigengewichts jedoch als nicht realisierbar. Stattdessen wird die Halle künftig teilweise mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Die Anlage soll Strom für etwa zehn Haushalte erzeugen und direkt ins öffentliche Netz einspeisen.

Diskutiert wurde, laut Strecansky, während der Planungsphase der Umgang mit den markanten Terrazzotischen, die über Jahrzehnte das Bild des Marktes geprägt haben. Vollständig erhalten bleiben sie nicht. Die äußeren Reihen werden als Erinnerung an die historische Ausstattung wieder aufgebaut, während im Zentrum künftig die standardisierten Grazer Markttische zum Einsatz kommen. Diese können bei Bedarf demontiert werden. Dadurch entsteht eine offene Halle, die neben dem Marktgeschehen auch Raum für Veranstaltungen, Feste und andere gemeinschaftliche Nutzungen bietet.

Die Frage nach der künftigen Nutzung beschäftigt auch die Besucher*innen der Architekturtage. Marktbetrieb findet weiterhin mittwochs und samstags statt. An den übrigen Tagen bleibt der Platz öffentliche Verkehrsfläche. Daraus ergeben sich natürlich keine neuen Parkmöglichkeiten, da die Zufahrten eingeschränkt sind. Vielmehr soll die flexible Möblierung neue Formen der Aneignung ermöglichen, die sich nach und nach entwickeln können.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts betrifft den Freiraum. Weil für die Baustelle ein Teil des Baumbestands entfernt werden musste, sieht der Bebauungsplan die Pflanzung von 23 neuen Bäumen vor. Diese werden nach dem Prinzip der Schwammstadt angelegt, das Regenwasser speichert und den Bäumen auch in Hitzeperioden bessere Wachstumsbedingungen bietet. Parallel dazu werden die Verkehrsflächen angepasst. Bis auf einen Stellplatz bleiben die Parkmöglichkeiten entlang der Straße erhalten, gleichzeitig wird die angrenzende Kreuzung barrierefrei umgestaltet.

Selbst alltägliche Probleme wie bisher die starke Verschmutzung durch Vogelkot fanden Eingang in die Planung und wurden neugierig erfragt. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt wurde eine technische Lösung entwickelt, die mit stromführenden Drähten arbeitet und den Aufenthalt von Vögeln auf der Konstruktion reduzieren soll.

Während des Rundgangs wird deutlich, wie stark die Halle im kollektiven Gedächtnis des Stadtteils verankert ist. Ein Busfahrer, seit 49 Jahren Anrainer, beschreibt wie er die Entwicklung des Ortes aus nächster Nähe verfolgt hat. Andere aus der Gruppe sprechen von einem „wunderschönen, lässigen Entwurf“ und zeigen sich erleichtert darüber, dass das Projekt nach langen Diskussionen tatsächlich umgesetzt wird.

Mit Gesamtkosten von rund 3,89 Millionen Euro, davon 160.000 Euro Förderung durch das Bundesdenkmalamt, ist die Sanierung ein beträchtliches öffentliches Investment. Sie verfolgt dennoch nicht das Ziel einer spektakulären Neuerfindung. Stattdessen geht es um den Erhalt eines vertrauten Ortes für die kommenden Jahrzehnte. Die architektonische Erscheinung bleibt weitgehend unangetastet, während Konstruktion, Infrastruktur und Nutzungsmöglichkeiten an heutige Anforderungen angepasst werden.

Vielleicht erklärt gerade diese Zurückhaltung das große Interesse, das dem Projekt entgegengebracht wird. Die Halle am Hofbauerplatz ist ein Alltagsort. Einer jener Orte, an denen sich städtisches Leben über Jahrzehnte eingeschrieben hat und die deshalb für viele Menschen mehr bedeuten als der bauliche Bestand.

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