12/08/2025

Wenzel  Mraček besuchte für und beschreibt in seiner 96. Kolumne die aktuelle Ausstellung über den bildenden Künstler Heinrich J. Pölzl im Kunsthaus Muerz. Der Besuch wird empfohlen.

Heinrich J. Pölzl. Der lange Marsch zu sich selbst. 
Bis 7. September im Kunsthaus Muerz, Wiener Straße 35, Mürzzuschlag.

12/08/2025

Blühendes rechts, ca. 1960, Öl auf Hartfaserplatte, 63 x 59,5 cm (Foto: Mraček)

O. T., 1964/65, Acryl auf Leinwand, 150 x 200 cm (Foto: Mraček)

O. T., 1969, Buntpapierschnitt, 70 x 50 cm (Foto: Mraček)

O. T., 1972, Acr/Lw, 96 x 125 cm (Foto: Mraček)

(vorne) Der Beobachter, 1960er/70er Jahre, Readymade (Pumpenteil) bemalt; (Wand) Beobachter (Pumpenteil), 1976, Acr/Lw, 100 x 125 cm (Foto: Mraček)

Vor allem auf das malerische Werk ausgerichtet ist die Ausstellung im Kunsthaus Muerz, die damit Einblick in alle Schaffensperioden des Grazer Künstlers Heinrich J. Pölzl (1925 – 2016) gibt. Pölzl, schreibt Kurator Günther Holler-Schuster in der Begleitschrift, sei „trotz seiner Involvierung ins lokale Kunstgeschehen“ zeit seines Lebens ein Einzelgänger gewesen, dessen künstlerische Entwicklung wie sein Œuvre aus heutiger Sicht „monolitisch“ in der steirischen Kunstgeschichte stehen. Angesichts der Schau könnte man von analytischen Aspekten im Werk des „Beobachters“, wie Pölzl in biografischen Darstellungen bezeichnet wird, sprechen, nachdem sich seit den 1950er Jahren immer wieder Assoziationen zu internationalen Tendenzen im Werk des Künstlers, Lehrers und Vermittlers abzeichnen.

Geboren in Neuberg an der Mürz, wurde Heinrich Pölzl noch während der Schulzeit am Gymnasium in Traiskirchen zum Kriegsdienst als Funker an der finnisch-sowjetischen Grenze eingezogen. Danach nahm er das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh auf. 1952 zog er nach Graz, unterrichtete am Gymnasium in Liebenau und bis zu seiner Pensionierung 1987 an der Pädagogischen Hochschule Kunst und Werkerziehung. Pölzl war auch Gründungsmitglied des Forum Stadtpark und dort in den 1970er Jahren Referent für bildende Kunst. Nach Holler-Schuster sei für Pölzl die Freundschaft mit Kurt Weber maßgeblich gewesen und dessen Auffassung des Kubismus mit dem sich Weber als Lehrender an der TU Graz auseinander setzte.

Und so setzt die Schau in Mürz auch mit Arbeiten vom Ende der 1950er ein, in denen Boote im Hafen oder „Blühendes rechts“ von kubischen Strukturen getragen sind wie auch mediterrane Dörfer und Städte. Wenn Landschaft, Architektur und Natur als Inspirationsquellen für ihn genannt werden und Holler-Schuster anführt, Pölzl „wurde nie vollständig abstrakt“ so steht dem, in der Ausstellung Beispiele aus den 1960er Jahren, wie plötzlich neuer Orientierung folgende Malerei entgegen: Farbfeldmalerei, jetzt in lasierend fließendem Acryl und deutlich informell, die zwar an Florales denken lassen, zugleich aber an die spätere Diskussion um Wolfgang Holleghas nicht gegenständliche beziehungsweise doch am Motiv orientierte Schütttechnik. 

Vom Kubismus führte „der Weg“ über Kalligrafie und Pseudo-Kalligrafisches bis in Formulierungen der Pop Art mit Ende der 1960er Jahre. Immer wieder wendete sich Pölzl neuen Techniken zu, wie Collagen aus Buntpapier zeigen. „Architektur der 70er Jahre“, so ein Titel, ist in mehreren Arbeiten thematisiert. Wenn manchmal auch mit konkretem Ort bezeichnet („Zankat GHAZA“, 1989), sind die Stadt- und Gebäudeansichten letztlich fiktive, die formal noch den Kubismus anklingen oder an Paul Klees Bilder aus Tunesien denken lassen. Ebenso Bilder von Neuberg aus den späten 70ern bis in die 80er Jahre. Hier auch, als Beispiel, eine Strecke von Fotomontagen, „Neuberg Sommer, 1985“.

Heinrich Pölzl setzte sich auch mit Film und Fotografie auseinander respektive mit Plastik, wie im Kunsthaus Muerz an einigen Exponaten veranschaulicht wird. Ein stark abstrahierter „Christophorus“ aus schwarz poliertem Holz steht im Ausstellungsraum einer schon an Comics erinnernden Arbeit gegenüber. Das (nach Duchamp) als Ready Made ausgewiesene Stück einer Pumpe wurde von Pölzl bemalt und erscheint nun wie ein kleiner Kopf mit großen Augen. Dieser „Beobachter“ steht aber auch im Zentrum eines Tafelbildes, das wohl nicht zufällig an Konrad Klaphecks Bilder von Maschinen erinnert.

Ausstellung:
Heinrich J. Pölzl. Der lange Marsch zu sich selbst. 
Bis 7. September im Kunsthaus Muerz, Wiener Straße 35, Mürzzuschlag.

Öffnungszeiten: 
Donnerstag bis Samstag: 10 – 18 Uhr
Sonntag: 10 – 16 Uhr

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