Man ist es gewohnt, dass Institutionen Programme bieten und damit ein Publikum ansprechen, welches dann zahlreich oder weniger zahlreich erscheint und am Ende mit dem Daumen nach oben oder nach unten zeigt.
Wenn eine Institution sich aber nicht als Haus mit Programm versteht, sondern elementare Infrastruktur werden will, verspricht sie viel, kann sich aber einiger Neugier und Beteiligung sicher sein.
Seit 2025 positioniert sich das Haus der Architektur in Graz als offenes Produktionsfeld für architektonisches Denken, kollektives Arbeiten und öffentliche Aushandlungsprozesse. Ausgehend von einem bereits im vergangenen Jahr realisierten Open Call, unterstützt von einer vielschichtigen institutionellen Struktur und geprägt von neuen Arbeitsweisen, verschiebt das Leitungsteam den Fokus auf Prozesse, Netzwerke und Fragen der gesellschaftlichen Wirksamkeit von Architektur. Das ist, schaut man sich in der aktuellen europäischen Architekturszene um, gelebte Praxis. Open Calls bilden seit geraumer Zeit die Struktur für offenere und agile Netzwerkarbeit und rütteln damit kräftig an veralteten Hierarchien.
Das Jahr 2026 steht im Haus der Architektur weniger für ein kuratiertes Programm als für eine Haltung, die sich durch Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Partnerinnen und Partnern herauskristallisieren soll.
Was uns erwartet, ist eine Einladung zur Interaktion, anstelle der latent passiven Publikumsrolle. Die Basis dafür: Architektur als interdisziplinäre Praxis, verankert im lokalen Kontext und zugleich international vernetzt.